In Deutschland lebt jedes fünfte Kind in Armut. Das politische Interesse die Armut zu bekämpfen, scheine es nicht zu geben, sagt Uwe Hoffmann, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Deutschen Schutzverbandes gegen Diskriminierung e. V. (DSD) und verweist unter anderem auf die Anrechnung des Kindergeldes auf den Hartz-IV-Regelsatz.
Knapp 20 Prozent aller Personen unter 18 Jahren in Deutschland leben in Armut. Kinderarmut ist ein soziales Problem und die Folgen schwerwiegend. Wer in Armut aufwächst hat vom Start weg mit Problemen zu kämpfen. Von der eingeschränkten körperlichen und gesundheitlichen Entwicklung über die schlechteren Wohnbedingungen bis zu den schlechteren Chancen auf einen guten Bildungsabschluss.
Deutschland wird immer älter, seine Kinder immer ärmer.
Dass Vater Staat seine Kinder mit zweierlei Maß misst und knapp 3 Millionen von ihnen regelrecht betrügt, ist für Uwe Hoffmann vom DSD (www.mehr-hartz4.net) mehr als unverständlich: „Einmal davon abgesehen, dass die Erhöhung der Regelsätze in diesem Jahr für mich weder gesetzes- noch verfassungskonform und damit rechtswidrig sind, ist es unglaublich, dass die vermeintliche Kindergelderhöhung von zwei Euro dem Regelsatz angerechnet wird.“
Der Regelsatz für Hartz-IV-Kinder wurde zum Januar zwar um drei Euro erhöht, das um zwei Euro erhöhte Kindergeld wird allerdings angerechnet; für Deutschlands ärmste Kinder bleibt so „ein Euro mehr im Monat“. Ist dieser eine Euro eine politische Maßnahme zur Bekämpfung der steigenden Kinderarmut? Der DSD-Geschäftsführer: „Nein, sicherlich nicht. Für mich ist es eher ein Zeugnis dafür, dass dem Staat die eigenen Kinder nichts wert sind. Zumindest nicht die Kinder, die in Hartz-IV-Familien aufwachsen müssen.
Nachteile für arme Kinder, Vorteile für reiche Kinder
Wer zu den Spitzenverdienern in Deutschland gehört, hat durch die steuerlichen Kinderfreibeträge monatliche Nettoentlastungen, die wesentlich höher als das Kindergeld sind.“ Zwischen einem Hartz-IV-Kind und dem einer wohlhabenden Familie klafft somit eine Lücke von knapp 100 Euro. Deshalb fordert Hoffmann unter anderem die Wiederherstellung der völligen Lern- und Lehrmittelfreiheit und einen für alle Energieanbieter einheitlichen Sozialtarif für Energiekosten.
Wer arm ist, soll zur Tafel gehen
Darf man dem Staat die Frage stellen, ob ihm ALLE Kinder gleich viel Wert sind? Ja, man muss sogar. „Wenn man bedenkt, dass einem 5-jährigen Kind im Hartz-IV-Bezug nicht einmal drei Euro für Essen und Trinken am Tag zustehen, wundert es mich nicht, dass immer mehr Familien und Alleinerziehende mit Kindern bei den Tafeln ihre Lebensmittel, oder besser „Überlebensmittel“ kaufen müssen“, sagt Hoffmann. „Bedenken Sie bitte, dass die Tafeln privat organisiert werden. Der Staat nimmt sich hier einfach aus der Verantwortung und zerstört durch die Hartz-IV-Sanktions- und Arbeitspolitik die Zukunft unserer Kinder“, kritisiert der DSD-Geschäftsführer. Man dürfe nicht einfach zusehen, sondern sich dagegen wehren. „Das fängt mit der Überprüfung sämtlicher Bescheide an und endet bei jedem nur möglichen Mehrbedarf für Kinder. Wir helfen Betroffenen kostenlos“, sagt Uwe Hoffmann.